Margarete Hohner

Narrenkastlschauen

25.05.2015 12:13 keine Kommentare

Pfingsten. 3 Tage Regenwetter. Wollte im Garten Pflänzchen setzen, einen Radausflug machen und etwas Sonne tanken.
Dabei liebe ich Regentage, weil ich endlich – denke ich zumindest – zu all dem komme, was ich vor mich herschiebe oder was ich irgendwann erledigt hätte.

Ich sollte meine to-do Liste abhacken können, ich sollte Ordnung schaffen, ich sollte auch zu Hause Bewegung machen, ich sollte die Unterlagen noch abliefern, ich sollte, ich sollte, ich sollte….Dann kommen eben diese Regentage. Und ich möchte ganz genau betrachtet gar nichts von dem machen, was ich sollte.
Klar flackert dabei sofort das altbekannte schlechte Gewissen auf. Doch  inzwischen bin ich echt gut darin in meinem Training, dieses Gefühl durchzustehen. Weil es nix anderes als ein altes Muster ist, es den anderen Recht zu machen, „richtig“ zu sein. Ordentlich und brav.
Täglich musste ich als Kind immer abends alles aufräumen und mein kreativer Fluss wurde immer wieder unterbrochen. Jeden Tag wieder neu anfangen zu müssen hat mir irgendwann meine Lust genommen überhaupt noch mit etwas zu beginnen – geschweige denn, etwas zu beenden!

Wie genieße ich es, wenn mir heute bewusst ist, dass ich inzwischen erwachsen bin und selbst alles entscheiden kann! Denn niemand kann mir mehr irgendetwas vorschreiben. Nur was ICH tue oder nicht tue geschieht oder eben auch nicht. Und wenn ich nichts wegräume, ist es meine Entscheidung, die letztendlich immer ein Ergebnis präsentiert, nur heute eben meines und nicht das meiner Eltern oder Großeltern. Endlich kann ich Alles selber rausfinden und muss nichts und niemandem mehr gerecht werden. Ich kann mich meiner Lebenslust hingeben! Selbst bei Regen zu Pfingsten!

So. Dann entscheide ich mich – so wie diese Tage eben – bewusst fürs „Nichtstun“!
Wirklich bewusst Zeit einmal Nichts zu tun. Da sitzen und Nichts tun. Ganz in Stille. Dies als einen wichtigen to-do Punkt zu sehen!  Das war mein Impuls. Nur atmen und meine Augen ruhig wandern lassen, meistens zum Fenster raus, da bleiben ich dann „hängen“. In dem Moment entsteht dieser Friede in mir, den ich so sehr liebe und brauche. Früher hat mir sowas ein Gefühl von „da stimmt was nicht- du musst was tun“ vermittelt. Klar, weil mir das antrainiert wurde: nur wenn du etwas leistet bist du gut.
Das „Narrenkastlschauen“, so sagte man auch gerne dazu, da wo die Narren reinschauen.  Doch ich glaube, dass da drinnen etwas ist, das mir gut tut. In diesem Narrenkastl. Es kann heute sein, dass ich es auch eine ganze Stunde mache. Manchmal auch öfters kurz über den Tag verteilt. Es ordnet meinen Geist neu und zentriert mich. Ich schalte dabei mein ewiges Gedankenrad aus und mein Gefühl ein. Irgendwas beginnt da in mir zu lächeln.

Und – weißt du was – danach, nach diesem Nichtstun schaffe ich automatisch innerhalb von Stunden zigmal mehr als sonst in Tagen. Plötzlich fange ich bei der to-do Liste an, mache sie durch, setze meine heißgeliebten Häkchen dahinter und dann kommt noch ein Konzept auf Papier, die Kärtchen für die Tombola werden gemacht, neue Inspirationen fürs nächste Projekt werden geschrieben, das Geschenk fertiggestrickt und sogar im Bett dann noch das Buch fertiggelesen, und …und … und plötzlich läuft es wie von selber. Mit Freude.

Aus dem Nichts. Aus dem, es so zu tun wie ich es wollte und nicht wie ich es sollte.
Einfach dem zu folgen, was es in mir fühlt. Und wenn es Nichts ist, kann es im Endeffekt Alles sein. Weil es dann bewusst geschieht.

Ist so meine Erfahrung. Danke.

Margarete, 25.5.15

 

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